Europäische Perspektive

Politische Perspektive

Wie wichtig qualitativ hochwertige Bildungs- und Ausbildungssysteme für Wohlstand und soziale Kohäsion in Europa sind, ist in der Europäischen Union schon seit langem bekannt. Nachdem bereits die Lissabon-Strategie aus dem Jahr 2000 das Ziel verfolgte, Europa bis zum Jahr 2010 zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensgestützten Wirtschaftsraum der Welt zu machen, wurde in den letzten Jahren auch erkannt, dass der Ausgestaltung der europäischen Bildungs- und Ausbildungssysteme dabei eine entscheidende Rolle zufällt.

Der „Aktualisierte Strategische Rahmen für die europäische Zusammenarbeit im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung über das Jahr 2010 hinaus“ bildet einen Leitfaden für die Arbeit der Europäischen Kommission in diesem Bereich.

Inzwischen gibt es mit Europe 2020 eine neue Wachstumsstrategie der Europäischen Union, die darauf abzielt, intelligentes, nachhaltiges und integratives Wirtschaftswachstum in Europa zu schaffen. Mehrere Zielvereinbarungen wurden getroffen, um diesen Prozess zu begleiten. Da sich die allgemeine und berufliche Bildung als zentrale Bausteine für das Erreichen der Wachstumsziele herausgestellt haben, gibt es zwei konkrete Zielvereinbarungen für diesen Bereich:

  • Bis 2020 sollte der Anteil frühzeitiger Schul- und Ausbildungsabgänger weniger als 10 % betragen.
  • Bis 2020 sollten mindestens 40 % der 30- bis 34-Jährigen einen Hochschulabschluss besitzen.

Um diese quantitativen Ziele zu erreichen, hat die Europäische Kommission den strategischen Rahmen „Bildung und Ausbildung 2020“ verabschiedet, der die Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten mit der Europäischen Kommission verbessern soll. Diese Zusammenarbeit läuft im Rahmen der Handlungsform der „Offenen Methode der Koordinierung“, die die Eigenständigkeit der Mitgliedsländer im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung anerkennt. Auf dem Weg zur Erreichung der Zielvereinbarungen im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung innerhalb von Europe 2020 sind besonders die vielversprechenden Politikinitiativen „New Skills for New Jobs“ und „Youth on the Move“ zu nennen.

 

Forschungsperspektive

Bildungsökonomische Forschungsergebnisse bestätigen, dass Bildung einen großen Einfluss auf das Wirtschaftswachstum hat. Insbesondere ist eine hohe Bildungsqualität zentraler Bestandteil für die positive Entwicklung von ökonomischen Zielgrößen: Indikatoren, die auf Basis der kognitiven Kompetenzen von Schülern das Abschneiden verschiedener Länder in internationalen Schülervergleichstests messen, sind beispielsweise gute Prädiktoren für das langfristige Wirtschaftswachstum dieser Länder.

 

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Darüber hinaus zeigen aktuelle Projektionen für alle 27 EU Mitgliedsländer, dass die Verbesserung der PISA-Ergebnisse eines Landes um 25 Punkte, das langfristige Wachstum dieses Mitgliedslandes enorm erhöhen würde.

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Auf Basis dieser Ergebnisse empfiehlt das Europäische Expertennetzwerk Bildungsökonomik (EENEE), bei der Formulierung von Zielvereinbarungen auf EU-Ebene im Rahmen von Europe 2020 den Indikatoren für Bildungsqualität höchste Priorität einzuräumen. Eine solche Schwerpunktlegung würde gleichzeitig dafür sorgen, dass auch die bisher bestehenden quantitativen Zielvereinbarungen im Bereich der allgemeinen und beruflichen Bildung eingehalten werden könnten.

EENEE versucht die Europäische Kommission in ihren Initiativen zur Erreichung der Ziele von Europe 2020 beratend zu begleiten. Die Beiträge des Forschungsnetzwerks zu verschiedenen Politikinitiativen der Generaldirektion Bildung und Kultur bei der Europäischen Kommission basieren dabei immer auf qualitativ hochwertigen bildungsökonomischen Forschungsergebnissen, die versuchen, kausale Zusammenhänge zwischen bildungspolitischen Maßnahmen und ökonomisch relevanten Zielgrößen zu ermitteln. EENEE’s Arbeit soll zur besseren Zusammenarbeit von Wissenschaftlern und politischen Entscheidungsträgern innerhalb der Europäischen Union und ihren Mitgliedsländern führen. Insbesondere versucht das Netzwerk auch dazu beizutragen, dass sich Bildungspolitik in den Mitgliedsländern der Europäischen Union in Zukunft mehr an der Evidenz der bildungsökonomischen Forschungsergebnisse orientieren kann.

 

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